Airpods als Hörgerät nutzen? Jetzt mehr erfahren! | MySecondEar

Airpods als Hörgerät nutzen? Jetzt mehr erfahren!

Mit dem Conversation Boost führte Apple 2021 im iOS15-Update eine Bedienungshilfe ein, die seither die Nutzung von AirPods Pro als Hörgeräteersatz ins Gespräch gebracht hat. Aktivieren lässt sich die Funktion über Einstellungen > Bedienungshilfen > Audio/Visuell > Kopfhöreranpassungen > Anwenden mit Transparenzmodus > Konversationsverstärkung. Doch können die kleinen Kopfhörer künftig tatsächlich Hearing Aids ablösen?

Hörgeräte vs. AirPods: Unterschiede & Gemeinsamkeiten

Hearing Aids

AirPods Pro

Kabellose Bluetooth-Verbindung zu externen Geräten herstellbar

Verbindungsoptionen je nach Modell, i.d.R. auch zu anderen Herstellern

Hörfunktionen nur in Kombination mit Apple-Geräten

Unauffälliger Sitz im Ohr (bei modernen Hörgeräten)

Als IdO oder HdO erhältlich

In-Ear-Kopfhörer

Medizinprodukt spezifisch zur Behandlung von Hörverlust

Kein Medizinprodukt, vorrangig zum Musik-Streaming

Akku hält den gesamten Tag

Akku hält für 4,5 Stunden Hörzeit

Akkuladung dauert mehrere Stunden

20-30 Minuten für vollständige Ladung

Spezifische Feineinstellungen vornehmbar

Gröbere Einstellungen per App-Audiogramm

Geräuschunterdrückung kann dem Gehörschutz dienen


AirPods als Hörgerät verwenden

Die Einstellungen zur Benutzung von AirPods können auf die individuelle Hörleistung eingestellt werden, wodurch ein personalisiertes Hörerlebnis entsteht. Für die Konfiguration lässt sich ein Audiogramm, welches vorab per entsprechender App erstellt wurde, in Apples Gesundheitsapp einspeisen. Folgend werden die Einstellungen der AirPods hinsichtlich der im Audiogramm erfassten Bedürfnisse angepasst. Spezifische Hörfunktionen positionieren die Kopfhörer zudem als Hörunterstützung:

Conversation Boost: Ist der Booster aktiviert, nehmen die Mikrofone der AirPods die akustische Umgebung auf. Dabei werden Nebengeräusche abgeschwächt und stattdessen die Stimme des Gesprächspartners klar hervorgehoben und im Ohr ausgegeben.

Live-Mithören: Diese Funktion ermöglicht den Einsatz von iPhone, iPad oder iPod als Remote-Mikrofon, wenn sie in räumlicher Nähe zu Sprechenden positioniert werden. Über das jeweilige Gerät wird der Ton an die AirPods gesendet und somit - laut Apple - das Hören weiter entfernter Personen umgesetzt. Besonders in lauten Umgebungen bietet sich dem Hersteller nach eine Anwendung des Live-Mithörens an. Voraussetzung ist iOS 14.3 oder neuer sowie die Verwendung von AirPods, AirPods Pro, Powerbeats Pro oder Beats Fit Pro.

Hintergrundgeräusche: Wer unter Tinnitus leider, kann seine AirPods zum Überlagern der störenden Geräusche verwenden. Unter der Rubrik “Hintergrundgeräusche” in den iPhone-Einstellungen können beispielsweise Regen oder Meeresrauschen ausgewählt werden, um Tinnitus auszugleichen. Die Steuerungsoption lässt sich dem Kontrollzentrum für den Schnellzugriff hinzufügen.

Geräuschunterdrückung und Transparenzmodus: AirPods Pro und AirPods Max beinhalten die Möglichkeit zur Geräuschunterdrückung externer Geräusche. Hierzu neutralisieren nach innen und nach außen gerichtete Mikrofone die unerwünschten Nebengeräusche. Zudem ist ein Wechsel in den Transparenzmodus möglich, in welchem die lautliche Umgebung trotz Kopfhörern wieder gänzlich wahrgenommen wird. Der Wechsel ist direkt über die Kopfhörer oder über iPhone, iPad, Apple Watch oder Mac realisierbar und ebenfalls über das Kontrollzentrum steuerbar.

AirPods als Hörgeräte: Vor- und Nachteile

Die Vorteile von AirPods als Hörgeräte beziehen sich zum einen auf den optischen Aspekt, denn das moderne, beliebte Design kann den Abbau von Stigmata gegenüber Hörgeräten begünstigen. Besonders junge Hörgeräteträger sind möglicherweise eher bereit, AirPods anstelle von herkömmlichen Hörhilfen zu tragen. Zum anderen ist die Geräuschunterdrückung positiv hervorzuheben, die zum Gehörschutz gegenüber lauten Umgebungsgeräuschen beitragen kann.

Trotz der hörfördernden Maßnahmen promotet Apple seine AirPods nicht als Hörgeräteersatz, denn bei den Kopfhörern handelt es sich nicht um medizinische Produkte. Sie sind weder für den langfristigen Gebrauch ausgelegt, noch können genauere Einstellungen für die Hörunterstützung vorgenommen werden. Eine relativ kurze Akkulaufzeit von ungefähr 4.5 Stunden ist für den ganztägigen Bedarf einer Hörhilfe nicht hinlänglich. Eine Standardform ohne individuelle Anpassung auf das Ohr führt zu Komforteinschränkungen und schränkt die Nutzungsdauer weiter ein. Akustisch gesehen ist es zudem problematisch, dass ein Hörprofil für beide Ohren angenommen wird und nur wenige einseitige Veränderungen in den Höreinstellungen konkretisierbar sind. Laut einer Studie von Auditory Insights werden hohe Frequenzen dabei nicht im gleichen Ausmaß wie bei herkömmlichen Hörgeräten angehoben, niedrige Frequenzen werden hingegen zu intensiv verstärkt.

Fazit: AirPods ersetzen NICHT medizinische Hörgeräte

Als Fazit lässt sich klar sagen: AirPods sind keine Hörgeräte und können die medizinischen Produkte nicht in vollem Ausmaß ersetzen. Da die meisten Hörprobleme im Hochtonbereich auftreten, ist die mangelnde Verstärkung in diesem Bereich besonders problematisch. Darüber hinaus lässt sich stärkere Schwerhörigkeit nicht mit den vorrangig zum Musikhören produzierten Kopfhörern behandeln. Bei leichter Hörminderung können AirPods dennoch durchaus eine Alltagserleichterung schaffen, der eingeschränkte Tragekomfort und die Akkudauer sprechen jedoch gegen eine Benutzung als alltägliches Hörgerät. Besonders positiv lässt sich hingegen die Hintergrundgeräuschfunktion hervorheben, welche zielgerichtet zum Ausgleich von Tinnitus einsetzbar ist.

Apples Maßnahmen zur Hörunterstützung

Auch wenn AirPods nicht einen gleichwertigen Ersatz für Hörgeräte darstellen, kann sich Apple in Sachen Hörunterstützung sehen lassen! Mit made for iPhone ist direktes Streaming von Inhalten auf Apple-Geräten über ausgewählte Hörgeräte möglich. Die Benutzerfreundlichkeit für Hörgeschädigte zeigt sich zusätzlich in den zahlreichen Bedienungshilfen zur Unterstützung schwerhöriger und gehörloser Menschen. So helfen sensorische Hinweise oder auch die Verfügbarkeit von Siri über Schreiben sowie die Erkennung von Gebärdensprache bei FaceTime bei der Benutzung der Geräte. Weitere Maßnahmen, die der Hersteller zur Hilfestellung anbietet, finden Sie hier.