Das Akustikusneurinom (oder auch Vestibularisschwannom genannt) ist ein seltener, gutartiger Tumor im Hör- und Gleichgewichtsnerv. Die Behandlung hängt von der Größe der Tumoren ab. In der Regel sind die Heilungschancen aber gut.

In der Regel geht der Tumor von den Schwann-Zellen des Gleichgewichtsnervs aus. Dann spricht man auch vom Vestibularisschwannom. Die Schwann-Zellen stellen eine Isolierung der Nervenbahnen dar. Informationen können so schneller transportiert werden. In seltenen Fällen befindet sich dieser gutartige Tumor im Gewebe des Hörnervs.

Die Häufigkeit für die Erkrankung nimmt mit dem steigenden Alter zu. Allerdings wächst dieser nur langsam. Dieser Tumor neigt auch nicht zur Bildung von Metastasen. Er kapselt sich meistens im Bindegewebe ab. Laut der deutschen Krebsgesellschaft macht diese Form des Tumors 8% der Tumore im Schädelinneren aus. Da die technischen Diagnoseverfahren sich ständig verbessern, lässt sich das Akustikusneurinom frühzeitig entdecken. Bei vielen Patienten bleibt er unentdeckt. Dabei verursacht er meist keine Schmerzen.

Wo sitzt ein Aukustikusneurinom?

Es wird abhängig von ihrer Position zwischen zwei Formen des Tumors unterschieden. Der Tumor kann sich im Kleinhirnbrückenwinkel zu Mitte hin liegend oder zur Seite hin in einem Kanal des Felsenknochen entstehen.

Medialer Tumor

Der Mediale Tumor ist zur Mitte hin liegend und befindet sich im Kleinhirnbrückenwinkel. Diesen kann man sich als besonders engen Raum vorstellen, der zwischen dem Kleinhirn und dem Felsenbein liegt. Hier befinden sich zentrale Anteile von vielen Hirnnerven. Abhängig davon, welche Nerven der Tumor beeinträchtigt, kommt es beim Patienten zu unterschiedlichen Beschwerden.

Laterarer Tumor

Diese Form ist zu Seite hin gelegen. Er befindet sich im Meatus acusticus internus, ein Kanal im Felsenknochen. Hier verlaufen Nerven des Gleichgewichts und der Hörnerv. Auch der Gesichtsnerv und der Geschmacksnerv verlaufen hier. Durch das Wachstum kann es zu Druckschädigungen der Nerven kommen.

Welche Symptome treten beim Aukustikusneurinom auf?

Symptome treten oft erst nach größerem Wachstum auf. Da dieser gutartige Tumor recht lange zum Wachsen braucht, bemerkt man Symptome erst nach Jahren. Zuerst lassen sich Beeinträchtigungen im Gehör bemerken. Meistens ist hier nur ein Ohr betroffen. Das erste Anzeichen für den Tumor ist das Eintreten von einseitigem Gehörverlust.

Dieser kommt plötzlich als Hörsturz oder äußert sich als langsam ansteigende Schwerhörigkeit. Zudem kommt es oft auch zu Schwindel und Augenzucken. Selten kann es zu Gesichtsschmerzen oder Taubheitsgefühlen im Kiefer kommen. Betroffene bemerken Einschränkungen oft nur zufällig. Typischerweise kommt es besonders im Bereich der hohen Töne zur Veränderung des Gehörsinns. Betroffene bemerken Vogelgezwitscher verändert oder können bei einem Telefongespräch am betroffenen Ohr nur schwer folgen. Oft kommt es auch zu Ohrgeräuschen. Diese können manchmal auch das einzige Symptom sein.

Nackenschmerzen bei Aukustikusneurinom

In schweren Fällen kann der Abfluss des Gehirnwassers nicht mehr stattfinden und der Hirndruck steigt an. Typische Symptome hierfür sind Sehstörungen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Wie entsteht das Akustikusneurinom?

Warum es zu diesem Tumor kommt, ist noch nicht ausreichend geklärt. Es handelt sich weder um eine erbliche noch eine ansteckende Ursache. In seltenen Fällen ist die Erbkrankheit Neurofibromatose Typ 2. Der Gendefekt löst im ganzen Körper Geschwülste aus. Bei etwa 5% der Erkrankten kommt es dann auch zu einem Akustikusneurinom. Der Tumor wuchert jedoch in den Nervenzellen und kann dabei zu bleibenden Schädigungen führen, wenn es zu Druckerscheinungen kommt. Meistens handelt es sich dabei um extreme Verläufe der Erkrankung.

Wie wird das Akustikusneurinom diagnostiziert?

Die Untersuchung führt meist der HNO-Arzt durch. Zuerst gilt es, andere Krankheiten, die Schwindel oder Hörprobleme verursachen, auszuschließen. Hierfür führen Patienten einen Hörtest durch. Der Patient gibt bei unterschiedlichen Tönen an, was er hört.

Eine Hirnstamm-Audiometrie kann den Hörnerv testen, ohne dass der Patient dafür mitarbeiten muss. Über einen Lautsprecher werden Klick-Geräusche vorgespielt. Hinter dem Ohr misst dann eine Elektrode, ob die Information ohne Störung ans Gehirn weitergeleitet werden. Das EEG gibt dann Aufschluss über Veränderungen im Schädel. 

Der Arzt wird auch eine Temperaturmessung des Gleichgewichtsorgans durchführen. Dazu spült dieser den äußeren Gehörgang mit warmem Wasser. Ein Reflex der Augenmuskeln lässt die Augen in der Waagerechten hin und her zucken. Bei einem Aukustikusneurinom kann der Reflex gestört werden. Außerdem ist das Gleichgewichtsorgan untererregt und der Patient leidet unter Schwindel. So lässt sich feststellen, wie weit der Tumor den Hörnerv schon geschädigt hat.

Was passiert bei der MRT Untersuchung beim Aukustikusneurinom?

Besteht der Verdacht einer Tumorerkrankung, wird der Arzt ein MRT machen lassen. Anhand dieser kann endgültig festgestellt werden, ob es sich um einen Tumor handelt. Der Patient wird dann auf einer Liege in die Diagnoseröhre geschoben, wo durch Magnetfelder und elektromagnetische Wellen Schnittbilder des Körperinneren angefertigt werden. Zur besseren Sichtbarkeit wird manchmal auch ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Die MRT Untersuchung selbst verursacht keine Strahlenbelastung. Aufgrund der engen Röhre und der lauten Geräuschn, welche das Gerät erzeugt, wird das Verfahren von einigen Patienten oft als unangenehm empfunden.

Wie erfolgt die Behandlung beim Aukustikusneurinom?

Die Erkrankung kann auf verschiedenen Arten behandelt werden. Entweder man wartet ab, ob sich der Tumor verändert. Hierfür werden regelmäßig MRT Bilder gemacht, oder es kommt zu einer Bestrahlung und Operation.

Bei kleineren Wucherungen entscheiden sich Ärzte oft dafür, einfach kontrolliert abzuwarten und das Wachstum über MRT Scans zu beobachten. Bei älteren Patienten verändert sich die Größe des Tumors meistens nicht oder er bildet sich sogar zurück. Solange beim Patienten keine Beschwerden bestehen, versucht man Bestrahlung oder Eingriffe durch eine Operation zu vermeiden.

Wann kommt es beim Akustikusneurinom zur OP?

Beginnt der Tumor zu wachsen und erreicht eine Größe von zwei bis drei Zentimetern oder mehr, muss immer operiert werden. Fachärzte versuchen dabei, nicht geschädigtes Gewebe oder gesunde Nerven zu schonen. Es besteht das Risiko, dass es bei dabei zu Blutungen oder Nervenschädigungen kommen kann. Der Hör- und Gleichgewichtssinn kann bei einem Akustikusneurinom daher auch langfristig beeinträchtigt bleiben. Grundsätzlich ist die Operation aber die effektivste Möglichkeit, den Tumor zu behandeln und eine Ausheilung zu bewirken.

Wann muss eine Bestrahlung stattfinden?

Die schonendere Behandlung ist die Bestrahlung mit Gamma Strahlen. Dabei wird der Tumor durch gezielte Bestrahlung zerstört. Eine Schädigung des umliegenden Gewebes kann aber nicht vermieden werden. Größere Tumore können meistens auch nicht vollständig erfasst werden. Die Bestrahlung kommt dann zum Einsatz, wenn eine Operation aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.

Wie gefährlich ist das Aukustikusneurinom?

Da der Tumor nur sehr langsam wächst und keine Metastasen bildet, ist die Prognose meist gut. Der Verlauf ist aber auch abhängig von der Position und Größe des Tumors. Kleine Wucherungen müssen nicht immer therapiert werden. Größere Geschwülste heilen nach der Operation ab und es kommt dabei zu keinen Rückfällen. Nur wenn der Tumor im Schädel nicht ganz entfernt werden konnte, kann es zu einer erneuten Entstehung des Tumors kommen. Oft bleibt der Tumor aber auch jahrelang unentdeckt, weil dieser keine Beschwerden verursacht.

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